Diakonie, heute noch aktuell?

Wir erleben heute hautnah, wie viele alte Werte verloren gehen. Probleme über Probleme bewegen die Menschen, und manche wissen nicht mehr aus und ein. Berührt uns das als Gemeinde, wo und wie helfen wir weiter?

Ausländer

In Deutschland haben nach Auskunft des statistischen Bundesamtes 2009  27 % der Bevölkerung einen Migrationshintergrund (sind nach 1950 eingewandert bzw. sind deren Nachkommen) bzw. sind Ausländer. Während die Bevölkerungszahl sinkt steigt gleichzeitig der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund und der Anteil an Ausländer (haben keinen deutschen Pass) seit 10 Jahren stagnier bzw. leicht zurück geht.

Deutschland will, dass rechtmäßig in Deutschland lebende Ausländer beruflich und sozial integriert sind. Der Staat bietet als Basis einen Integrationskurs, in dem in erster Linie die Sprache als entscheidende Voraussetzung für Integration erlernt wird, an. Aber auch die Rechtsordnung, Kultur und Geschichte stehen auf dem Stundenplan. Dazu komm Grundlagen in der freiheitlich demokratischen Grundordnung, dem Parteiensystems, dem föderalen Aufbau Deutschlands, der Sozialstaatlichkeit, der Gleichberechtigung, der Toleranz und der Religionsfreiheit. Aber wo findet die Integration statt?

Der Tagesanzeiger in der Schweiz stellt fest: „Angepasste Ausländer sind nicht unbedingt gut integriert“. In der Schweiz lebten 2007 1,7 Millionen Ausländerinnen und Ausländer. Rund jede fünfte in der Schweiz lebende Person hat keinen Schweizer Pass (21,6%). Die Zuwanderung aus sogenannten Drittländern hat in den letzten Jahren stark abgenommen, aber der Anteil an EU-Einwanderer Dank der aktuellen Ausländerpolitik zugenommen. Die neuen Einwanderer schaffen weniger Integrationsprobleme als frühere Generationen, «weil sie in der Regel nicht einer sozialen Randgruppe angehören, ein gutes Einkommen erzielen und über genug Wohnraum verfügen», sagt die Basler Integrationsdelegierte Angela Bryner. Es wird festgestellt, dass die „Altlasten“ der früher Eingewanderten und noch nach vielen Jahren ohne Deutsche Sprachkenntnisse Lebenden, ein Integrationsproblem darstellen.

Der Bildungsstand stellt einen wesentlichen Anteil an der Integrationsfähigkeit und -willigkeit dar.  Kurz gesagt: Je höher die Stellung, umso kleiner die Probleme.

Ausländer, die sich zu einer geschlossenen Gesellschaft formieren, nach außen abschotten und einer eigenen Kultur mit strengen Vorschriften angehören, fällt das Integrieren schwerer.

Integrationsförderer Christof Meier, Stadt Zürich,  sagt: «Wir haben nichts dagegen, wenn ein Einwanderer verschiedene Identitäten pflegt. Er darf und soll sich weiterhin als Portugiese oder Kroate fühlen und die entsprechenden Traditionen pflegen. Doch wir wünschen und arbeiten darauf hin, dass er auch eine Identität als Zürcher hat.»

Bei einem Referendum stimmten mehr als die Hälfte der Schweizer Wähler dafür, Kriminelle künftig in ihre Heimatländer abzuschieben. 

  • Haben Ausländer und Menschen mit einem Migrationshintergrund einen Platz in unserer Gemeinde?
  • Wie integrieren wir sie?
  • Nehmen wir sie mit hinein in unser Gemeindeleben?
  • Oder gestatten wir noch, dass sich die Ausländer zu einer Untergruppe formiert unser Gemeindehaus, wenn wir es nicht brauchen, mitbenutzen dürfen?
  • Wo uns wie helfen wir als Gemeinde, dass „Ausländer“ in unserem Dorf, Ort, Stadt, Quartier, Flecken, … sozial und beruflich integriert werden?

Arbeitslosigkeit und Armut

Arbeitslosenquote: 

  • Deutschland 7.0 % (August)
  • Schweiz 7.0 % (März)
  • Österreich 2.8 % (Juli)

Nicht nur die saisonbedingten Arbeits- bzw. Erwerbslosen sondern vor allem die Langzeitarbeitslosen manchen unseren Ländern Sorgen. Witterungs- und saisonbedingt Entlassungen im Bau- und Gaststättengewerbe und in der Landwirtschaft führen zu jährlichen Herausforderungen für die Betroffenen.

Untersuchungen zu Gründen der Arbeitslosigkeit zeigen dass „Personen mit geringer Qualifikation (d. h. mit maximal Pflichtschulabschluss) ein 2,5-mal höheres Risiko haben, arbeitslos zu werden, als Personen mit weiterführender Ausbildung. Bei Jugendlichen ist dieses Risiko sogar dreimal so groß. Auch die Persönlichkeitsstruktur hat einen ganz wesentlichen Anteil an einer Potentiellen Arbeitslosigkeit. So hat sich gezeigt, dass Menschen mit Gewissenhaftigkeit und Stärke wesentlich weniger in Gefahr stehen keine Arbeit zu haben, als labile, kranke, anfällige, unsichere und klagende Personen.

  • Wo helfen wir als Gemeinde und vor allem Unternehmen mit, dass Menschen ohne Arbeit ins Berufsleben integriert werden?
  • Wo geben wir Jugendlichen einen Chance, den Wert der Arbeit im Leben zu erlernen, eine geeignete Berufsausbildung durch zu stehen um dann einen adäquaten Arbeitsplatz zu finden?

Finanzlage

Die Finanzlage in der Welt ist in Schieflage und man hat das Gefühl, sie verschlechtert sich zusehends. Und gleichzeitig werden Reiche reicher und die Armen bleiben auf der Strecke und werden ärmer.

Bankencrashs und zahlungsunfähige Länder verunsichern Menschen.

Kommunen in Deutschland beschweren sich über eine "katastrophale" Finanzlage. Gesunkene Steuereinnahmen zwingen zum Sparen, was der Bürger deutlich merkt: Die seither gewohnten üppigen Angebote der öffentlichen Hand werden teilweise deutlich eingedampft. Über die verringerten Betreuungsangebote bei Kindern und Jugendlichen schnaufen die Familien genauso, wie über gestiegene Kosten und Gebühren der öffentlichen Einrichtungen und Dienstleistungen.

Wo geht die Reise in Zukunft hin?

  • Wo haben wir da unseren Platz als Gemeinde?
  • Was bieten wir finanzgeschädigten Menschen an:
  • Schuldenberatung
  • Steuerberatung
  • Kurse zum Umgang mit Geld
  • ....

Armut

Arm sein heißt: nicht haben können, was für die anderen selbstverständlich ist. 13 Prozent der Deutschen (8,8 % Schweiz, 12 % Österreich) sind von Armut bedroht. Konkret bedeutet das, dass diese Menschen mit weniger als 781 Euro (2.200 SFR Schweiz;  951.-€ Österreich) pro Monat auskommen müssen. Ohne staatliche Hilfen würde die Situation noch schlimmer aussehen. Besonders dramatisch ist die Lage für Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende und deren Kinder sowie für Menschen mit schlechter oder fehlender Berufsqualifikation. Gerade Alleinerziehende machen neben den Langzeitarbeitslosen den größten Anteil an den Armen aus. Auf der anderen Seite des sozialen Spektrums können sich die Reichen über Einkommenssteigerungen freuen.

Mit einem Wort: Die Kluft zwischen arm und reich wird immer größer.

  • Wo und wie leben die Armen in Eurem Ort?
  • Welche Angebote habt Ihr in Eurer Gemeinde, um die Not von Armen zu lindern?
  • Finden Arme (auch von der Straße) bei Euren Gemeindeessen einen Platz?
  • Wo und wie werden regelmäßige Mahlzeiten an Bedürftige von der Straße ausgegeben? („Suppenküche“)

Gewalt

Gewalt unter Jugendlichen nimmt stetig zu. Der Psychologe Reinhold Rute kommt zur Überzeugung, dass Verwöhnung von Kindern mit einer späteren Kriminalität verzahnt ist.

Haben Jugendliche keine Heimat mehr, wo sie sich sein können und lernen in der Gemeinschaft mit und für andere zu leben?

  • Was wird in Eurer Gemeinde darüber gelehrt und gepredigt?
    Findet das Thema Familie, Familienwerte und Erziehung einen Platz?
  • Wie helft Ihr Familien in ihren Erziehungsproblemen?

Korruption

„Deutschland ist eine Lasterhöhle der Korruption, von deren Bewohnern selbst sizilianische Paten noch etwas lernen können“ behauptet ein Kriminalkommissar.

Tatsache ist, dass Bestechlichkeit und Vorteilsnahme immer mehr zunehmen. „Es gibt nichts, was es nicht gibt, berichtet einer der hartnäckigsten Ermittler, der Frankfurter Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner. Auftragserschleichung ist der "Klassiker" in der Korruption. Es wird geschätzt, dass durch Korruption in Deutschland jährlich einen Schaden von über acht Milliarden Euro verursacht wird.

Eine Organisation zur Bekämpfung von Korruption in der Schweiz schreibt: „In Griechenland soll die Korruption weit verbreitet sein, was unter anderem auch zur heutigen Krise geführt haben soll. Und wie steht es mit der Korruption in der Schweiz? «Korruption in der Schweiz? Das gibt es doch nicht!» So in etwa dürfte die erste, spontane Reaktion vieler Schweizerinnen und Schweizer zur eingangs erwähnten Frage ausfallen. Aber: Schweizer «schmieren» auch.

  • Jesus stellt dem korrupten Verhalten die Wahrheit und Ehrlichkeit gegenüber.
  • Wie leben wir als Gemeinden und Gläubige die Maßstäbe Jesus aus?
  • Wo erleben Mitarbeiter und Kunden Deine Wahrheit in Deinem Betrieb? Wo erleben Deinen Kollegen und Vorgesetzten Dein von Wahrheit geprägtes ethisches Verhalten an deinem Arbeitsplatz?
  • Wie sieht es aus mit Deinem Vorteil?

Jesus sendet uns zu den Menschen

Wir wollen eine Kultur der liebevollen Zuwendung zu Menschen fördern, schreibt die ETG-Bundesleitung in ihrem Leitbild 2010/11 Sollen und können wir als Gemeinden überhaupt in diesen vielen Nöten helfen? In Anbetracht der großen Not und vielen Probleme können wir nichts ausrichten denkt mancher.

Jesus hatte die Not und Sorgen von einzelnen Menschen im Blick: Außenseiter, Fremde, Waisen, Witwen, Kranke. Sie waren ihm nicht egal. Ich denke Jesus sendet uns nicht zu den Massen sondern schenkt uns einen Blick für die Not einzelner Menschen. Auch Paulus ermutigt und in Gal. 6,2 gegenseitig Lasten zu tragen.
Aus der Liebe zu Gott erwächst eine Liebe zum Nächsten, zum Dienen! Jesus ermutigt seine Jünger ihn lieb zu haben und den Nächsten zu lieben. (Mt. 12,30-31)

Für Jesus bedeute es zunächst zu sehen, zu hören (zuhören) und einfach die Nöte, Sorgen und Anliegen der Menschen wahrzunehmen. Daraus begann er zu helfen, zu teilen, sich zu verschenken und zu begleiten.

Diakonie:

  • Diakonie ist Dienen am Menschen
  • en Menschen in seiner Not sehen und ihm dienen und helfen.

Wo leben wir als Gemeinde

  • Leben wir als Gemeinden mitten in der Gesellschaft oder leben wir als Gemeinde wie manche
  • Ausländergruppen für sich abgeschlossen, dort wo es schön und warm ist?
  • Wir schreiben uns zwar eine Offenheit auf die Fahne, aber sind wir das wirklich?
  • Müssen die Neuen sich nicht zuerst uns anpassen, sich so kleiden und verhalten wie die meisten, so wie wir es erwarten?
  • Wo haben Ausländer, Migranten, Nichtsesshafte, Gefangene, Alleinerziehende, Geschiedene, Verbrecher, Ehebrecher, Korrupte, Riechende, Zerlumpte, Arme, Arbeitslose, Kranke, Dumme, Intelligente, auf der Straße Lebende, Ausgestoßene, … einen Platz?
  • Kennen wir die Anliegen und Nöte der Menschen in unserer Stadt und Dorf? Sind wir dort, wo die Menschen wohnen, arbeiten und leben? Jesus ging zu ihnen hin und diente den Menschen.
  • Es geht nicht in erster Linie um das Evangelisieren, sondern einfach um das Dienen am Nächsten.
  • Die Menschen um uns herum brauchen uns als Einzelne und als Gemeinde. Sie wollen mit uns als Nächste Kontakt haben.

Was können wir ändern?

Beten wir um Weisheit, dass Gott uns lenkt und leitet. Befassen wir uns mit unserer Gesellschaft. Was passiert in unserem Ort, Stadt? Was sind die Anliegen und Nöte der Menschen? Wo werden wir als Gemeinde gebraucht? Nicht nur einladen, sondern wie Jesus dort hingehen wo die Menschen sind, wo sie arbeiten und leben.

Jeder pflegt Kontakte: Familie, Schule, Beruf, Nachbarschaft, Verein, Dorfgemeinschaft, …  Pflege diese Beziehungen nicht als Objekte, um sie zu Jesus zu führen (das ist auch wichtig), nein liebe diese Menschen als Nächste, einfach so! Diene ihnen, schenke ihn Deine Zeit

HILFE

Ich und die Genossenschaft HILFE Zürich, das Diakoniewerk der ETG-Gemeinden, möchten Dir und Euch als Gemeinde Mut machen aufzustehen und mehr in der Gesellschaft zu dienen. Entwickelt in der Gemeinde Ideen, wo und wie ihr gebraucht werdet und wo ihr euch einbringen könnt.

Es gibt viele Möglichkeiten als Gemeinde in Eurem Ort und Stadt zu dienen. Werdet kreativ. Wir, die Genossenschaft HILFE,  helfen Euch auch gerne auf diesem Wege, sprecht uns an!Jeder pflegt Kontakte: Familie, Schule, Beruf, Nachbarschaft, Verein, Dorfgemeinschaft, …  Pflege diese Beziehungen nicht als Objekte, um sie zu Jesus zu führen (das ist auch wichtig), nein liebe diese Menschen als Nächste, einfach so! Diene ihnen, schenke ihn Deine Zeit

Gott segne Euch

November 2011 / Remo Fuchs

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